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Detdiar sidj as noch ei efterluket wurden.


[Automaatisk auerdraanj]

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Die Bewohner von Amrum, Föhr, Helgoland und Süd heissen und
hiessen nur Amringen, Föhringen, Helgolander, Sildringen. Friesische
nennen sich und werden von jenen genannt die Bewohner der Halligen
und des Festlands (Fastewallingen). Ebenso heisst nur die Sprache
der letztern friesisch, jene nur amringisch u. s. w. Wir schliessen
daher, wenn wir von nordfriesisch sprechen, die Sprache jener vier
Inseln aus. — Vgl. Schlesw.-Holst. Anzeigen 1760, S. 8; Schlesw.-
Holst. Provinzialberichte 1793, S. 4; Onkens Isis 1824, I, S. 52;
Falck's Staatsbürgerliches Magazin V, 1826, S. 739; Kohl, Die Marschen
und Inseln der Herzogthümer Schleswig und Holstein I, 1846, S. 180;
Langhans, Über den Ursprung der Nordfriesen, 1879, S. 44; Möller,
Das altenglische Volksepos, 1883, S. 85.

§ 4*). A.-f. ist nicht die einzige Sprache, welche auf Amrum
und Föhr gesprochen wird. Die Schriftsprache, Kirchen-, Schul- und
Amtssprache ist, seit von einer solchen überhaupt die Rede sein kann,
die plattdeutsche gewesen; erst seit zwei Jahrhunderten ist es die hoch-
deutsche; für Amrum und Westerlandföhr galt dänische Amtssprache.
Die Volkssprache ist auf Amrum und Westerlandföhr ausschliesslich
a.-f.. Osterlandföhr ist zweisprachig, föhringisch und plattdeutsch. Der
Flecken Wyk ist vollständig, Nieblum so gut wie ganz plattdeutsch.
Die Wyk zunächst gelegnen Dörfer Boldixum und Wrixum, vor 50
Jahren noch rein föhringisch, sind jetzt plattdeutsch geworden; nur in
wenigen Familien wird noch föhringisch gesprochen, sonst nur von altern
Leuten; von Schulkindern sprechen nur vier überhaupt noch föhringisch.
Auch in den andern Dörfern des östlichen Föhr macht das Plattdeutsche
neuerdings reissende Fortschritte. In Oevenum, wo noch zu Anfang dieses
Jahrhunderts in der Schule föhringisch gesprochen wurde, wo vor wenigen
Jahren der letzte Mann gestorben ist, der absolut kein Deutsch verstehn
konnte, spricht heute bereits mehr als ein Drittel der Schulkinder
plattdeutsch. Ähnlich sind die Verhältnisse in Midlum und Alkersum.
Auch in Borgsum hört man schon viel Plattdeutsch.

Die plattdeutsche Sprache ist durch die Fremden eingeführt
worden, welche seit etwa einem Jahrhundert Föhr gradezu über-
schwemmen und deren Zahl in annähernd dem Maasse zunimmt, als
die der Föhringen durch Auswandrung nach Amerika abnimmt**). Die
erste Fremdenkolonie kam nach der grossen Flut von 1634 vom alten
Nordstrand und den Halligen. Die „Friesischen" gründeten sich in
Wyk ein neues Heim, und dieser Zuzug der Inselfriesen hat bis heute
fortgedauert; nach jeder grössern Flut, besonders aber 1717 — 1720,
kamen zahlreiche Halligbewohner und zogen ausser nach Wyk auch
vielfach nach Nieblum. So wurde hier naturgemäss plattdeutsch die
herschende Sprache als Vermittler des Verkehrs zwischen Friesen und
Föhringen. In Nieblum hat sich die föhringische Sprache lange ge-
halten, und noch heute giebt es einige alte Leute, welche unter einander

  • ) Vergl. hierzu Verf., Niederdeutsches Jahrbuch XII, S. 123—126.
    • ) „Von den seit 1850 konfirmirten Knaben sind wenigstens 40% aus-

gewandert." Nerong, Führ früher und jetzt, Wyk (1885), S. 42.