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Spriakwiis: Sjiisk
Skriiwer: Thusnelda Kuehl
Tiitel: Harro Harring, der Friese
Onertiitel: Er gehörte zu dem Volke, dem die Freiheit Religion ist
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Aplaag: -
Maaget (juar): 1906
Ütjkimen (juar): 1906
Ferlach: Max Hansens Verlag
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Ütjkimen uun: Glückstadt
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[I]


Harro Harring,
der Friese

von

Thusnelda Kühl.

"Er gehörte zu dem Volke,
Dem die Freiheit Religion ist."

[ MH · WER NICHTS WAGET -
HAT NICHTS ZU HOFFEN · MH ]


Glückstadt.
Max Hansens Verlag.

— 1906. —


[II]

[III]


Inhaltsangabe.
————

    Vorwort ... V
    Das Land der Friesen ... 1
 1. Kindheitsparadies ... 8
 2. Vertrieben ... 14
 3. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen ... 22
 4. Wandern ... 30
 5. Steigender Stern ... 36
 6. Harro und „Der Zeitgeist“ ... 43
 7. Es ist eine Lust, zu leben! ... 51
 8. Für die Sache der menschheit ... 59
 9. Nach der ewigen Stadt ... 76
10. Fürstengunst ... 85
11. Schöne Wiege meiner Leiden —
      Schönes Grabmal meiner Ruh' — ... 92
12. Graf Harring ... 103
13. Pfadlos ... 114
14. Unter den Carbonari ... 118
15. Das junge Europa ... 126
16. Hetzwild ... 134
17. Die Insel des Verrats ... 139
18. „Nur Namen, Daten sind dein Leben“ ... 145
19. „Danien, hvad gjorde jeg dig?“ ... 149
20. Waffenstillstand ... 165
21. „Er gehörte zu dem Volke,
       dem die Freiheit Religion ist.“ ... 168

22. Die letzten Schatten ... 186

[IV]

  • Vorwort.

[V] [VI] [VII] [VIII]

  • Das Land der Friesen.

[001] [002]

  • 1. Kindheitsparadies.

[003] [004] [005] [006] [007] [008] [009] [010] [011] [012] [013]

  • 2. Vertrieben.

[014] [015] [016] [017] [018] [019] [020] [021]

  • 3. Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot essen.

[022] [023] [024] [025] [026] [027] [028] [029]

  • 4. Wandern.

[030] [031] [032] [033] [034] [035]

  • 5. Steigender Stern.

[036] [037] [038] [039] [040] [041] [042]

  • 6. Harro und der „Zeitgeist“.

[043] [044] [045] [046] [047] [048] [049] [050]

  • 7. Es ist eine Lust, zu leben!

[051] [052] [053] [054] [055] [056] [057] [058]

  • 8. „Für die Sache der Menschheit.“

[059] [060] [061] [062] [063] [064] [065] [066] [067] [068] [069] [070] [071] [072] [073] [074] [075]

  • 9. Nach der ewigen Stadt.

[076] [077] [078] [079] [080] [081] [082] [083] [084]

  • 10. Fürstengunst

[085] [086] [087] [088] [089] [090] [091]

  • 11. „Schöne Wiege meiner Leiden - Schönes Grabmal meiner Ruh -“

[092] [093] [094] [095] [096] [097] [098] [099] [100] [101] [102]

  • 12. Graf Harring.

[103] [104] [105] [106] [107] [108] [109] [110] [111] [112] [113]

  • 13. Pfadlos.

[114] [115] [116] [117]

  • 14. Unter den Carbonari.

[118] [119] [120] [121] [122] [123] [124] [125]

  • 15. „Das junge Europa.“

[126] [127] [128] [129] [130] [131] [132] [133]

  • 16. Hetzwild.

[134] [135] [136] [137] [138]

  • 17. Die Insel des Verrats.

[139] [140] [141] [142] [143] [144]

  • 18. „Nur Namen, Daten sind sein Leben.“

[145] [146] [147] [148]

  • 19. Danien! hvad gjorde jeg dig?

[149] [150] [151] [152] [153] [154] [155] [156] [157] [158] [159] [160] [161] [162] [163] [164]

  • 20. Waffenstillstand.

[165] [166] [167]

  • 21. „Er gehörte zu dem Volke, Dem die Freiheit Religion ist -“

[168]

21.

„Er gehörte zu dem Volke,
Dem die Freiheit Religion ist —“

————

Es war im Juli des Jahres 1848 — jenes
    Jahres, bei dessen Nennung noch heute den
wenigen „alten“ Schleswig-Holsteinern ein Stich
durchs Herz geht — daß sich auf dem Bredstedter
Marktplatz inmitten einer vielköpfigen Menschen-
menge ein Mann in phantastischer Gewandung
zeigte. Ein Pelz umschlang seine Schultern, in
seinem Gürtel stak ein Dolch.
    Das war Harro Harring, der nach einund-
dreißigjähriger Abwesenheit heimgekehrt war nach
Nordfriesland, zu den Söhnen seines Volksstammes.

    Adolf Bartels sagt:

  Nun ist der Morgen endlich angebrochen,
  Der Freiheitsmorgen, der so heiß ersehnt.
  O tolles Jahr! Wie stolz die Brust sich dehnt
  Und wie die Pulse vor Erwartung pochen.

  Aus dem Versteck kommt jetzt hervorgekrochen
  So mancher, den man lange tot gewähnt.
  Und an den grünen Baum der Freiheit lehnt
  Sich der, dem längst das Urteil war gesprochen.

[169]

169

„Er gehörte zu dem Volke u.“

  Da kamst auch du zum deutschen Land zurück,
  Odysseus-Harring, frühe schon verschlagen
  Ins wilde Meer, doch stets der Heimat treu.
  Und deine Blicke kündeten das Glück,
  Daß frei man atmen dürf' in künft'gen Tagen -
  Es schien als würde alles, alles neu.

    An diesem Tage redete Harro Harring zu dem
Herzen seines Volkes:

Seid gegrüßet „edle, freie Friesen!“

    Seid gegrüßet Alle; Ihr freien Männer und
Jünglinge aus verwandten Stämmen unserer cim-
brischen Halbinsel; Ihr Alle! in deren Brust das
Bewußtsein nordischen Volkstums glühet! - Seid
gegrüßet im Namen des Geistes, der sich offenbaret
in der Geschichte aller Völker und aller Zeiten, der,
zurückgedrängt von Periode zu Periode, scheinbar
verschwindet, um so mächtiger aber hervortritt in
seiner Pracht und Herrlichkeit, als Geist der ge-
rechtigkeit, der Vergeltung, der Sühnung; - als
Engel mit dem Schwert!
    Es ist derselbige Geist, der einst in jener Nacht
zu Diospolis die Pharaonen schlug - die Volks-
stämme Israels befreiend aus der Knechtschaft,
Schande und Schmach; der selbige Geist, der dort
zum erstenmale die zwiefache Basis aller Ent-
wickelung der Menschheit feststellte, indem er mit
dem Blute der Tyrannen die beiden Begriffe nieder-
schrieb, welche alle Grundbedingungen des Fort-
schritts, der Verdedelung in sich fassen, die beiden
verwandten Begriffe:

Volk und Vaterland!

    Seid gegrüßet, Ihr Männer und Jünglinge
meines Volkes; gegrüßet auf dem geweihten Boden

[170]

170

„Er gehörte zu dem Volke u.“

unseres nordischen Vaterlandes, gegrüßet im Jubel-
sturme des namenlosen Gefühls der Heimkehr eines
Verbannten — eines Verbannten, der zurückeilet
zu den Gräbern seiner Väter, zu dem Herde seiner
Lieben, in die Arme seines Volkes; der zurückeilet
zu einer Zeit-Epoche, in welcher gerade der selbige
Geist einherschwebt durch Europa — den er geahnt
als Jüngling, als er Euch verließ — dessen Auf-
erstehung er so laut verkündiget als Barde, ob er
auch längst der Hoffnung entsagte, daß er sie er-
leben werde, die Stunde der Auferstehung, daß er
noch hören werde das Rauschen der Schwingen, der
blutgetränkten Schwingen des Engels mit dem
Schwert!
    Es sind ein und dreißig Jahre seit ich diese
blühenden Fluren, das Paradies unserer Heimat nicht
betrat. Es sind sieben und zwanzig Jahre, seit ich
unser nordisches Vaterland verließ, jenen Geist ahnend
in stiller Ehrfurcht, der damals sich bewährte über
den Ruinen Spartas und Athens — als Geist des
Volkstums und der Freiheit. — Ich zog dahin, ein
junger Skalde vom Grabe Baldurs — ahnend
die Götterdämmerung der Zukunft; — daß sie
dereinst zusammenstürzen werde — die Macht der
Gewaltigen der Erde — die Macht der Götzen, die
das Volk anbetet im Joche der Knechtschaft. Ich
zog hinaus in den Kampf, ein Streiter unter dem
Schutze der Walküren, hinaus in den Kampf
für die Sache der unterjochten Menschheit. —
    Und ich kämpfte . . . und im Kampfe entfal-
tete sich meine geistige Kraft.
    Es sind achtzehn Jahr seit ich die Bürde der
Verbannung trug, belastet mit Fluch und Bann der
Fürsten von Gottes Gnaden — gejagt gleich einem
verwundeten Reh von Land zu Land . . . von Pol

[171]

171

„Er gehörte zu dem Volke u.“

zu Pol . . . geführt aus Kerker in Kerker . . .
aus Verfolgung in Verfolgung . . . aus Verzweif-
lung in Verzweiflung . . . aber feststehend in mir
selbst, in der Klarheit einer unwandelbaren Über-
zeugung . . . feststehend im Glauben an Gott und
Menschheit. — Im unerschütterlichen Glauben
an den Urgeist der Kraft, der da waltet über das
Schicksal der Völker und der Menschen - stand ich
aufrecht am Schaffott meiner Gefährten, mit Zuver-
sicht bauend auf Alfadurs Macht . . . auf die
Götterdämmerung der Zukunft . . . „daß er
komme, der Tag, der die Fürsten erschreckt . . . daß
er komme, der Tag, der die Völker erweckt . . . ihr
Palladium der Freiheit zu retten!“

    So liegt ein Menschenalter der Trennung und
Entfernung hinter mir und zwischen uns. Es war
eine lange Zeit und die Stunde der Heimkehr schlägt
mir zu einer großen Zeit — zu einer Zeitepoche,
deren wir keine ähnliche erkennen an ereignisvoller
Größe seit zwei Jahrtausenden!

    Es war eine lange Zeit der Trennung und viel
und Vieles hätte ich Euch zu sagen zur Begrüßung,
denn ich bin Euch fremd geblieben, Euch unbekannt
geblieben im Geiste; ob auch ich Euch nimmer fremd
geworden in meinem Herzen! — Ich bin Euch un-
bekannt geblieben unerachtet der zahlreichen Früchte
eines solchen verhängnisvollen Lebens, indem mein
Wort in deutscher Sprache Euch nicht zu erreichen
vermochte, indem jedes Blatt, das meinen Namen
trug, als Konterbande betrachtet wurde, unterdrückt
durch die Willkür der Despoten, verhöhnt und ge-
ächtet durch die Herabwürdigung von Seiten soge-
nannter deutscher Patrioten, — wie sie unter
anderem mich ausschlossen von ihrem „deutschen

[172]

172

„Er gehörte zu dem Volke u.“

Bunde“ — aus dem Grunde, „weil ich kein Deutscher
sei!“ — Es war die Zensur der Erbärmlichkeit.
    Damit Ihr mich nun um so eher verstehen
und die Beweggründe meiner Begrüßung um so
richtiger auffassen möget, werde ich Euch zuvor den
Standpunkt meiner Anschauung bezeichnen; den
Standpunkt, auf welchem die öde, freudenlose,
dornenreiche Bahn meines Lebens mich emporführte
— eines Lebens, das sich entfaltete in mir in ge-
heimnisvoller Tiefe von der Wiege an, und das
sich gestaltete außer mir in gleichem Verhältnis
ereignisvoll, verhängnisvoll — in ununterbrochenem
Kampf, eine höhere Idee verfolgend, eine hüöhere
Idee vertretend, die Ur-Idee, welche der Menschheit
zu Grunde liegt, und aus welcher aale Form-
bildungen der Entwickelung des Menschengeschlechts
hervorgehen, als unbedingte Wirkung eines ewig
allwaltenden Geistes.
    Wohl gleichet mein Standpunkt an und für
sich der Stellung auf einer schroffen Felsenkoppe,
die keinen Raum gestattet neben mir für die Be-
gleitung eines liebenden Wesens. Es ist die Felsen-
höhe der Entsagung, nackt und ohne Spur einer
duftenden Vegetation, bedeckt mit Eis und umheult
vom Sturme der Zeit. Tief unter mir liegen die
Ansprüche des Lebens, unkenntlich in nebel-
bedeckten Tälern: Erdenglück und beseligender Ge-
nuß. Gewitterwolken des Verhängnisses umlagern
den Felsen, aber ihre Blitze zischen abwärts, sie
treffen mich nicht mehr. Ihre Donner rollen als
dumpfe Harmonie eines Daseins, welches sich hinan-
gezogen fühlt durch geistige Attraktion, zur licht-
strahlenden Sternenwelt, deren Myriarden über
meinem haupte keine Wolke der Erdenmacht mehr
umhüllet. So erblickte ich hinter mir den ver-

[173]

173

„Er gehörte zu dem Volke u.“

schwindenden Horizont der Vergangenheit, der Vor-
welt, der Geschichte der Völker: vor mir den fernen
Horizont einer nordischen Sommernacht, in welcher
die erlöschende Abendröte hinüber leuchtet in das
erwachende Morgenrot der Zukunft: die Morgen-
dämmerung der Auferstehung des Menschen-
geschlechts. Auf diesem Standpunkte erkenne ich also
die Menschheit als ein Ganzes, bestehend aus
Nationen; Nationen, bestehend aus Volksstämmen,
unter sich verwandt durch Eigentümlichkeiten, welche
unzerstörbar sind, indem sie unauslöschlich fort-
bestehen in den Völkern der Gegenwart, wie wir
sie bezeichnet finden in den ältesten Urkunden der
Geschichte.
    Ich erkenne die Entwickelung der Menschheit
nur möglich auf der Basis des Volkstums;
durch Vereinigung verwandter Volksstämme als
Volk, während die Völker einander die Hand reichen
mögen zum gemeinschaftlichen Kampf gegen Will-
kür und Tyrannei, zur Befreiung des menschen-
geschlechts, im Geiste der Humanität. Der Geist,
der die Menschheit durchströmet, offenbaret sich als
aufwärtsstrebende Kraft, und als solche ist Be-
wegung die Bedingung aller Entwickelung. Un-
bewegte Kraft ist keine Kraft. Absolute Ruhe,
Stillstand, wie der Despotismus ihn zu bezwecken
sucht, führen zu Fäulnis, zu Verwesung, sogar zu
"Reichsverwesung". — Die Menschheit schreitet
nur vorwärts durch Kraft-Anstrengung, durch
Kampf. Nur durch Kraft-Anstrengung zerreißen
wir Fesseln. Ohne Kampf gelangte noch kein Volk
auf Erden zur Freiheit!
    Die Geschichte der Menschheit schreibt sich selbst
— von Periode zu Periode in erhabenen, großen
Zügen — aber sie schreibt mit roter Tinte — mit

[174]

174

„Er gehörte zu dem Volke u.“

Blut, mit dem Blute der Märtyrer, welche den
Samenstaub der Idee, der Gottheit in der Mensch-
heit, hinübertragen in den Blumenkelch einer künf-
tigen Generation! —
    Betrachten wir die Menschheit als ein Ganzes,
bestehend aus Nationen, so ergibt sich, als Be-
dingung aller Entwickelung, eine heilige, wechsel-
seitige Pflichterfüllung jeder nation an der Sache
der Menschheit, jedes Einzelnen im Volk an der
Sache des Vaterlandes — und abermals eine eben
so heilige Pflichterfüllung jedes Volkes an dem
Individuum - an dem letzten, geringsten seiner
Söhne! —
    Ich wiederhole: Wie ein jedes Volk Pflichten
zu erfüllen hat an der Menschheit — so hat auch
jedes Volk Pflichten zu erfüllen am Individuum im
Volke; auf daß ein jeglicher der Freiheit teilhaftig
werde — sich auszubilden zur Erfüllung seiner
Pflicht an Volk und Vaterland.
    In dieser Erkenntnis bezeichne ich die große
Aufgabe der Gegenwart — die Aufgabe aller Völker
Europas, gegenwärtiger Zeitepoche; daß sie gelöset
werde zum Heil einer größeren — beseligenden
Zukunft!
    Diese wechselseitige Pflichterfüllung beruhet auf
dem Prinzip der Liebe — der Humanität; —
und ohne Erfüllung derselben ist keine Befreiung
der Völker denkbar; keine Erlösung der Menschheit
vom Übel der Tyrannei. — Merket Euch wohl, Ihr
meine Brüder! die Freiheit sei nimmermehr blos das
Ziel unsers Strebens — sie ist das Mittel nur,
das Element der Bewegung, zum tatkräftigen
Wirken nach höherem Ziele — nach Vervollkomm-
nung, nach Veredlung.
    Errungene Freiheit — als Ziel betrachtet —

[175]

175

„Er gehörte zu dem Volke u.“

gemißbraucht zu blos materiellen Bestrebungen,
führt abermals in Stillstand aller geistigen
Bewegung — in Fäulnis der moralischen Kraft.
    Aber nur im Element der Freiheit vermag ein
Volk, wie das Individuum, sich auszubilden —;
die Bewegung aller moralischen wie aller physischen
Kraft, fordert Freiheit — nach dem ewigen Ur-
gesetz des Daseins. —
    Wie nun die Menschheit nur vorwärts schreiten
kann im Elemente der Freiheit, und wie die Be-
dingung aller Pflichterfüllung uns zurückführt auf
Liebe — Bruderliebe — Menschenliebe — Huma-
nität; — so strebt der Despotismus durch Unter-
drückung der Freiheit und durch Zerstörung, Aus-
rottung der Liebe, Volksstamm und Volksstämme
gegeneinander aufzureizen: Nationalhaß im
Herzen der Volsstämme zu wecken und zu nähren
— damit sie nicht etwa sich vereinigen; Volk und
Völker nicht etwa einander die Hand bieten möchten
— zu gemeinschaftlicher Kraftanstrengung, zum
gemeinschaftlichen Kampf gegen das Prinzip der
Tyrannei.
    Nationalhaß liegt nicht etwa ursprünglich
im edleren Menschenherzen. Er wird auf solche
Weise mit absichtlicher Berechnung — mit satanischer
Durchtriebenheit den Volksstämmen eingeflößet;
während ihnen zu gleicher Zeit die Mittel vor-
enthalten werden — Aufklärung zu erlangen über
ihre Stellung und ihre Pflichten — als Volks-
stämme in der Gesamtheit der Nation — als
Nation im Bunde der Menschheit. —
    Diese Unterdrückung des Worts, — der Mit-
teilung des Gedankens — die Untergrabung der
Aufklärung, ist die erste infame Grundbedingung
des Absolutismus — um zu herrschen durch

[176]

176

„Er gehörte zu dem Volke u.“

Absonderung, durch Trennung; zu herrschen
durch Haß; — Volk und Volk zu trennen — daß
der Mensch fern und fremd bleibe dem Menschen;
daß das Volk fern und fremd bleibe der Menschen-
liebe! —

• • •

    Die Geschichte der Menschheit läßt sich zurück-
führen auf die Entwickelung der Geschichte der Ur-
Idee, welche ihr zugrunde liegt: Religion. — Es
gibt nur Eine Religion; sie ist das höhere, geistige
Selbstbewußtsein des Menschen; — das Verhältnis
unsers Innern zur geheimnisvoll umhüllten Idee
des Seins, der Unendlichkeit — der Ewigkeit!
Die göttliche Idee, welche der Menschheit zugrunde
liegt, gleichet einem Kristall — in wunderbarer
Strahlenbrechung des ewigen Urlichts - dessen
Born wir nur zu ahnen, nicht zu erkennen, noch
zu schauen vermögen, dessen Glanz aber sich offen-
baret in der Wirkung solcher Strahlenbrechung
auf das Menschenherz — auf unser geistiges Sein!
    Die Erde, welche wir bewohnen, ist aber ein
untergeordneter Weltkörper — im Verhältnis unsers
Planeten-Systems; — unser Planeten-System eben-
falls ein untergeordnetes Sphären-Gebäu — im
Verhältnis zur zahllosen Unendlichkeit des Uni-
versums. — Des Menschen Geist, von Materie be-
lastet, fühlt sich gefesselt im Erdenstaube — und
nur durch entschiedene Kraft-Anstrengung — nur
durch fortwährenden Kampf mit der Außenwelt —
vermögen wir uns zu erheben zum Bewußtsein
unsrer höhern Menschennatur — zur Ahnung und
Anschauung unsrer göttlichen Bestimmung, als
Mensch — im Bunde der Menschheit. —
    Dem untergeordneten Verhältnis unsers Erden-

[177]

177

„Er gehörte zu dem Volke u.“

daseins angemessen umkrustet sich der Kristall
der Gottheit Idee — sobald er in Berührung kommt
mit dem entgegenwirkenden Materialismus. So
umkrusteten die Formen des Priestertums den
Kristall der Ur-Idee zu Jerusalem — so umkrusteten
die Formen der Hierarchie den Kristall der Ur-Idee
zu Byzanz und Rom. Die Kirche ward eine Ma-
schine des Despotismus — zur Unterjochung des
Geistes. Die Versteinerungen der Satzungen und
Dogmen umhüllten das Strahlenlicht der ewigen
Wahrheit. Die Umkrustungen häuften sich und
mehrten sich in bizarren Formen — von jahr-
hundert zu jahrhundert — bis endlich kaum ein
Schimmer des Lichts durch sie hindurch herabzu-
dringen vermochte in das verödete Menschenherz.
    Die göttliche Idee der Veredelung verschwand; —
die Menschheit vegitierte im Sumpf des Mate-
rialismus anstatt zu leben! Das Menschenherz
dürstete nach Liebe; - des Menschen Geist, um-
fangen von wohlberechneter Verfinsterung, sehnte sich
nach Licht; — der Mensch fühlte die Öde seines
Daseins, die Ketten der Unterjochung; und mit dem
Gefühl der Sklaverei — erglüht er zum Bewußt-
sein seiner moralischen Freiheit. — Gleich einem
elektromagnetischen Schlage durchströmt ein Strahl
des Urlichts den Kristall der Idee; — die Um-
krustungen brechen, wie vom Blitz zerschmettert —
sie stürzen dahin in den Staub der Materie, dem
sie angehörten . . . Und die Menschheit erwachet —
durchzuckt in Ahnung und Erkenntnis der alleinigen
Geistes-Macht; der Mensch erhebt sich — im stolzen
Bewußtsein der Freiheit — im Bewußtsein seiner
göttlichen Bestimmung, als Mensch im Bunde der
Menschheit!
    Eine solche Epoche erlebte die umkrustete Ur-

[178]

178

„Er gehörte zu dem Volke u.“

Idee in der Befreiung der Volksstämme Israels
aus dem Joche der Pharaonen; — eine abermalige
mit dem Einzug des Nazareners zu Jerusalem
— zu derselben Zeit als Varus war geschlagen
worden durch Arminius. — Die Römerherrschaft,
die Macht des Materialismus war gestürzt worden
in Germanien — und der Nazarener ward gekreuzigt
zu Galiläa — einer römischen Provinz — gekreuziget
unter Rebellen als — Rebell! —
    Schauen wir zurück auf die verschiedenen Ent-
wicklungs-Epochen des Menschen-Geschlechts, so er-
blicken wir in der Mosaischen die Idee der Ein-
heit, hervortretend im Glauben an den alleinigen
Gott — wie in dem Bewußtsein des Volkstums,
das Volk als eine abgeschlossene Einheit.
    Jenes Prinzip der Absonderung war not-
wendig, zur Feststellung der Begriffe Volk — und
Vaterland, — zur notwendigen Aufrechterhaltung
des Volkstums, welches gefährdet stand unter
damaligen Verhältnissen der Umgebung — der
Abgötterei.
    Die Periode der Absonderung überlebte ihre
Formen. Die Umkrustungen des Kristalls durch
die Satzungen des Priestertums häuften sich — ver-
mehrten sich, bis sie zerbröckelten in ihrer natür-
lichen Unhaltbarkeit — und endlich zusammen-
stürzten vor dem elektrischen Schlage — einer neuen
Strahlenbrechung: der Kristall der Nationalität
erglänzt im Strahlenglanze der Liebe — der Gleich-
heit, der Gerechtigkeit. — Und wir erblicken die
Menschheit emporgedrungen zu einer höheren Stufe
— seit der Strahlenbrechung — zu Galiläa. —
   Die gegenwärtige Stunde gestattet mir nicht,
den Gegenstand meiner Betrachtung zu erschöpfen —
die Ausbreitung des Urlichts der Ideen von Gali-

[179]

179

„Er gehörte zu dem Volke u.“

läa aus zu verfolgen, bis zur ersten Umkrustung
von Seiten der Kirche — welche nach und nach von
Jahrhundert zu Jahrhundert die Gewaltherr-
schaft usurpierte — indem sie sich verwebte mit
dem Staat — den Absolutismus repräsentierend,
in welcher Umhüllung es auch sein möchte, in der
römischen — der anglikanischen wie in der königlich
preußischen — welche letztere sich sogar auszudehnen
suchte über Palästina und über Brasilien! — wo
die königlich preußische „Religion“ gepredigt wurde
— in meiner Gegenwart. —
   Wenige Worte also zur Erläuterung meiner
Anschauung:
    Zwei Jahrtausende verstrichen — und bereits
im dritten Jahrhundert nach jener Auferstehung des
Menschengeschlechtes — begannen die Umkrustungen
der Idee. Die Lehre der Liebe, der Gleichheit, der
Gerechtigkeit war nicht zu unterdrücken — der Despo-
tismus erblickte in ihr seinen unvermeidlichen Unter-
gang. — Es mussten womöglich Maßregeln ergriffen
werden, eine Idee unschädlich zu machen, die
nicht mehr auszurotten war. Die Hierarchie ward
erbaut als Baldachin über den Thron „von Gottes
Gnaden“; - es ward eine falsche Münze geschlagen
mit dem Bilde eines Kaisers und der Rück-
schrift der Knechtschaft; und sie ward der Mensch-
heit gegeben als „Religion“. —
    Übergehen wir mit Schweigen, mit Verschweigen
unserer Erbitterung, jene Perioden der Geschichte, in
welchen hinlänglich ergiebige Geschäfte betrieben
worden mit jener falschen Münze — Geschäfte des
Sklavenhandels zur Unterjochung ganzer Völker, —
Ausrottungs-, Vertilgungskriege, unter der Firma
der Kirche. Wenden wir unsern Blick hinweg von
der unterirdischen Gewölben der Inquisition, deren

[180]

180

„Er gehörte zu dem Volke u.“

Gräuel der Despotismus des letzten Jahrhunderts
zu überbieten suchte durch die Gewaltherrschaft
„von Gottes Gnaden“.
    Die Verfolgungen der letzten Jahrzehnte, die
Verfolgungen der Gläubigen, welche da ausharrten
im Glauben an die Auferstehung des Menschen-
geschlechts, übertreffen alle Gräuel der Inquisition
früherer Jahrhunderte.
    Ich rede von dem System eines Metternich,
eines Kaisers aller Reußen, eins Louis
Philipp; ich rede von der politischen Hypokrisie
eines Königs von Sardinien, wie von dem Ge-
fängnis-System eines Königs von Preußen — dem
heiligen Begründer einer Königlich privilegierten
Kirche.
    Seitdem aber die Kirche Staat geworden, ward
Vaterlandsliebe Religion! Und wir haben sie
vertreten, diese Religion der Vaterlandsliebe, der
Humanität, wir, als Männer herangebildete Jüng-
linge des gefesselten Europas!

* * *

    So lag die Menschheit abermals im Staube.
Der Mensch, erlöset im Geiste des Nazareners, er-
löset durch die Lehre der Liebe, der Gleichheit, der
Gerechtigkeit, war abermals ein Sklave geworden
erlogener Satzungen! Die Idee der Gottheit in der
Menschheit war abermals erloschen.
    Und es ward ein Mittelding ersonnen, Kirche
und Staat fernerhin zu vereinigen, eine sogenannte
rechte Mitte zwischen Lüge und Wahrheit, ein
„seiendes Nichtsein“, eine quasi legitime Vermählung
des Satanas mit dem heiligen Geiste der Liebe. Es
war die konstitutionelle Monarchie, welche ihre Glorie
erlebt in der anglikanischen Aristokratie, einer ver-

[181]

181

„Er gehörte zu dem Volke u.“

mehrten und verbesserten Auflage der römischen
Hierarchie, in welcher „die Kirche ganze Länder
auffrißt“ — und das Volk verhungert in dem Ab-
grunde des Elends.
    Davon ein andermal; denn es drängt mich die
Kürze der zeit. Wie wäre es möglich, Euch die
Resultate der politischen Erfahrung eines Viertel-
Jahrnunderts in einer Stunde vorzutragen?
    Der Köhlerglaube an die Heiligkeit und Un-
verletzlichkeit einer fürstlichen Person „von Gottes
Gnaden“ begann zu wanken im Herzen des ver-
hungernden und Allerhuldreichst geknechteten Unter-
tans. Die Glorie der heiligkeit um die Krone der
Fürsten erlosch, seitdem sie im Widerspruch erkannt
worden gegen die gesunde Vernunft, insofern es
nicht nachzuweisen, daß die Schöpfung zweierlei
Menschen, mit und ohne Vorrecht der geburt,
auf die Erde setzte. Die pflichtschuldige Untertänig-
keit des Volkes erlosch im Blute der Tausende,
niedergemetzelt, ermordet — zur Aufrechterhaltung
der Ordnung — „auf gesetzlichem Wege“, wie sich
die Royalisten auzudrücken belieben.
    Alle erdenklichen Mittel der Halbheit sind auf-
geboten worden, Volk auf Volk zu prellen, es an
der nase herumzuführen im „allein legitim machen-
den Glauben“ an das Vorrecht der Geburt, an die
„Unverantwortlichkeit“ eines senkrechten Hori-
zonts, der Millionen alljährlich verschlingt und
dem dann das Militär zu gebote stehe, zu feuern
auf den sogenannten Pöbel — auf das Volk in
seinem Elende.
    Alle Mittel aber waren und blieben vergebens:
das Volk in Blindheit zu fesseln.
    Aus verhängnisvollen Gewitterwolken leuchten
nun Blitze auf Blitze um uns her — die Throne

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und die Kronen wanken. — Der Geist, der sich
offenbart in der geschichte aller Völker und aller
Zeiten, ist erwacht abermals — er ist auferstanden
aus den Katakomben des Märtyrertums — er
schwebt einher über Frankreich, über Italien, über
Deutschland, über Böhmen und Irland, über Polen
und Ungarn, über Dalmatien und Kroatien, über
der Moldau und der Walachei — über ganz Europa,
in schauererregender Größe — als Geist der Ver-
geltung und der Sühnung. — Es ist der
Engel mit dem Schwert aus Diospolis, einher-
schreitend als Genius des Menschen-Geschlechts mit
blutgetränkten Schwingen, umstrahlet von der Zu-
kunft Morgenröte — in welcher die Völker erwachen
zum Selbstbewußtsein ihrer Nationalität — zum
Bewußtsein ihrer Selbständigkeit — vermöge welcher
sie fähig sind, sich selbst zu regieren, ohne sich
herabzuwürdigen vor dem „senkrechten Horizonte“ —
der konstitutionellen Monarchie.
    Donner auf Donner rollen einher, Blitze auf
Blitze zucken herab:
    Es ist der Aufstand der verhöhnten Stämme,
zerreißend die Ketten der Pharaonen; es ist der Auf-
bruch der Volksstämme aus Diospolis — zu durch-
schreiten das rote Meer der Empörung — zu durch-
wandern die Wüste der Zeit — wieder zu gewinnen
das verheißene, gelobte Land — des vereinten Volkes
Vaterland!
    Und zu einer solchen Zeit führt mich die Vor-
sehung zurück zu Dir, mein Volk! — in unser ver-
ratenes und verkauftes Vaterland! — in das
gepriesene Land der edlen freien Friesen, an den
Altar unsers Volkstums, das „keinen Adel über
uns und keine Unfreie unter uns duldet!“ — Ich
kehre zurück als Mann, wie ich Euch einst verließ

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„Er gehörte zu dem Volke u.“

als Jüngling — mit derselben Begeisterung für
Freiheit — mit demselben glühenden gefühle der
Vaterlandsliebe. Ich kehre zurück als Skalde —
aus dem kampfe um der Menschheit heiliges Recht;
— festen Fuß zu fassen auf den Gräbern unsrer
Väter — des Namens würdig, der mich ehret —
des Geistes mir bewußt, der mich beseelt, zu ver-
treten unter Euch unsere urheiligen Rechte, daß wir
sie schützen in so drohender Gefahr — daß wir sie
bewahren vor hinterlistigem Raube — daß wir das
Palladium unseres Volkstums retten aus solchem
Strudel des giftig emporschäumenden Nationalhasses
um uns her! Wie wir ausgeschlossen dastehen seit
einem Jahrtausend von der nun ausgegrabenen
Mumien-Herrschaft eines heiligen Römischen reiches
— so wollen wir uns freistellen und sichern vor der
aufgedrungenen Herrschaft einer monarchischen Hyder
von vierunddreißig gekrönten Häuptern! wie vor
dem Rückfall in den Schulden-Abgrund einer ein-
zigen Monarchie!
    Die Zeit ist vorüber, in welcher Kabinette durch
Diplomaten mit Völkern handelten und Volksstämme
verschacherten an Fürsten und Gewaltige. Sie ist
vorüber, jene „gute alte Zeit“, in in welcher der „er-
erbte Untertan sich verkaufen ließ in den leeren
Sack“ — in welchem er die Zehnten seiner Ernte
dem Feudalherrn hingetragen; sie ist vorüber jene
„gute alte Zeit“, in welcher ein Fürstentum mit
Hirten und Herden — mit allen Ochsen und Kälbern
— einem Prinzen oder einer Prinzessin als Erbgut
anheim fiel, weil auf einem wurmstichigen Stück
Pergament geschrieben stand - „Beide Fürstentümer
sollen auf ewige Zeiten unzertrennlich sein, als Erb-
und Eigentum einer und derselben dynastischen Linie
von Gottes Gnaden!“

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„Er gehörte zu dem Volke u.“

    Jene Zeiten sind vorüber und ohnehin erstreckte
sich kein ähnliches Dokument der Verkäuflichkeit je-
mals auf unsere Nordfriesischen Harden, noch auf unsere Inseln. —
    Ich kehre zurück zu Euch, Euch zu ermahnen
an die Würde und Kraft unserer Väter, welche ihre
Freiheit zu behaupten wußten vor König und
Kaiser, ihre Freiheit, welche festgestellt und aner-
kannt worden in den Satzungen:
      „Nach eigenen, sich selbst gegebenen Gesetzen,
      durch eigene selbst gewählte Obrigkeiten, sich
      zu regieren, keine Obrigkeit anzuerkennen als
      diejenige, welche das Volk aus seiner Mitte
      wählte; — keinen Adel über sich und keine
      Unfreie unter sich!“
    Ich kehre zurück zu Euch, edle freie Friesen, zu
erfüllen meine Pflichten als mann in meinem Volk!
— Ich kehre zurück, Euch meine Kraft anzutragen
„Euch zu dienen in allem“, wozu mein ereignis-
volles, erfahrungsreiches Leben mich etwa fähig
machte. Ich stehe hier unter Euch; ein Fremdling
in der Heimat — ein Prophet, „der wenig gilt in
seinem Vaterlande“ — aber ich vertraue auf das
Band unseres Volkstums, das mächtiger ist, als
alle Ränke und Intriguen der Parteienwut! —
ich baue auf den Anklang meines Wortes in Eurem
herzen, auf das verwandte Gefühl in Eurer Brust,
daß ihr erkennen möget in mir den Geist unserer
Väter — das Volkstum eines „edlen freien Friesen!“ —
    Ich stelle es Euch anheim, meine Brüder, aus
Eurer Mitte einen Ausschuß zu wählen, mit dem
ich mich beraten möchte über die wichtigsten Ange-
legenheiten unserer Harden und unserer Inseln; zu-
mal zur Untersuchung der Frage, inwiefern wir

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„Er gehörte zu dem Volke u.“

jemals rechtsbündig dem Königreiche Dänemark,
noch dem Herzogtum Schleswig — einverleibt
worden; welches ich meinerseits bezweifle und zwar
aus historischen Gründen unserer Stellung, seit der
Grenz-Bestimmung des Heiligen Römischen Reiches,
dessen Mumien gegenwärtig wieder umgeben werden
mit neuem „Anstrich“ der „Verwesung“. —
    Ich behaupte vielmehr, wir bildeten von jeher
einen Freistaat, unter sogenanntem Schutz einer
benachbarten größeren Macht.
    Verloren wir unsere Stellung, so ist es an
uns, sie wieder einzunehmen.
    Verfüget über mich in allem, was Ihr für die
nächste Zukunft mir als Pflichterfüllung auferlegen
möchtet; ihr dürfet bauen auf mich, denn ich habe
meine Überzeugung bewähret in einer großen Ver-
gangenheit.
    Ich fühle meinen Beruf, zu wirken unter Euch,
mit Euch, zur Aufrechterhaltung unserer Volksrechte.
Im Namen des geistes, der sich offenbaret in seiner
wunderbaren Kraft und Herrlichkeit zur Befreiung
der Völker Europas:
 „Wir wollen frei sein, wie's die Väter waren;
  Und lieber tot sein, denn als Sklave leben!“ —

    Am Schlusse dieser Ansprache zückte er den
Dolch — und als zögen die Schatten einer noch
ungebornen Zeit plötzlich über seine Seele, sprach er
das für ihn selber bedeutungsschwere Wort:
 

"Der muß das letzte Wort sprechen."

  • 22. Die letzten Schatten.

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